Mammakarzinom-info: Informationen zum Thema BrustkrebsPatientenFachkreisePresse


Häufige Fragen

Meine Schwester und meine Tante hatten Brustkrebs. Muss ich befürchten, dass auch meine Tochter erkranken wird? Wie kann sie vorbeugen?

Brustkrebs tritt leider in manchen Familien häufiger auf. Bei ca. 5 % der Frauen mit Brustkrebs sind Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2 für die Erkrankung verantwortlich. Werden diese Mutationen in den Genen nachgewiesen, erhöht sich das Risiko, im Lauf des Lebens an Brustkrebs zu erkranken um bis zu 80%.

Wenn aufgrund der familiären Vorgeschichte oder auf Basis eines Gentests ein erhöhtes Risiko festgestellt wird, sollte daher eine engmaschige Kontrolle sowohl durch eigene monatliche Selbstuntersuchung der Brüste als auch durch regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren wie zum Beispiel Ultraschall und Mammographie durch den Facharzt erfolgen.

Wieso muss ich nach einer Operation noch Medikamente einnehmen? Der Tumor wurde doch entfernt?

Auch wenn bei der Diagnose des Brustkrebses keine Metastasen (Tochtergeschwulst) im Körper gefunden wurden, können doch schon einzelne Zellen des Tumors in den Blutkreislauf und in andere Organe gelangt sein. Um das Risiko einer Streuung von Tumorzellen zu vermindern, wird heute den meisten Patientinnen im Anschluss an die Operation und Bestrahlung eine unterstützende (adjuvante) Therapie, d.h. eine auf den ganzen Körper wirkende medikamentöse Therapie empfohlen. Nur bei wenigen Patientinnen sind eine Operation und eine Strahlentherapie ausreichend, wenn der Tumor sehr klein war, bisher nicht in die axillären Lymphknoten gestreut hat und keine weiteren Risiken für eine mögliche Ausbreitung es Tumors vorliegen.

Was versteht man unter „Antihormontherapie“?

Die Antihormontherapie ist eine im Vergleich zu anderen Therapieoptionen in der Regel gut verträgliche und wirksame Behandlungsstrategie, die bei hormonabhängigem Brustkrebs angewendet werden kann. Das Wachstum hormonabhängiger Tumore wird durch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen gefördert. Die Tumorzellen besitzen in diesem Fall Anlegestellen (so genannte „Rezeptoren“) für das Hormon.

Dabei sind zwei Möglichkeiten denkbar, um das Wachstum dieses Tumors zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen:

  • Das Ihnen verabreichte Medikament kann die im Körper zirkulierende Menge an Östrogen - an Treibstoff also - senken. Auf diese Weise wirken Aromatasehemmer und GnRH-Analoga (letztere nur für Patintinnen vor den Wechseljahren).
  • Das Medikament hält die Anlegestellen (die „Rezeptoren“) für das Hormon besetzt, d. h. es entzieht dem Motor den Treibstoff oder entzieht dem Hormon zusätzlich die Anlegestellen. Dies entspricht der Wirkweise der Antiöstrogene. In beiden Fällen können die Krebszellen weniger stark wachsen und /oder sich vermehren.

Produziert mein Körper nach den Wechseljahren noch das Geschlechtshormon Östrogen?

Ja, Ihr Körper produziert auch nach den Wechseljahren noch Östrogen. Vor den Wechseljahren wird der größte Teil des im Körper vorhandenen Östrogens in den Eierstöcken gebildet. Dazu kommt noch ein geringer Anteil an Östrogen, der im Fett- und Muskelgewebe gebildet wird. Nach den Wechseljahren fallen die Eierstöcke als Produktionsstätte für das Hormon aus. Das nun noch im Körper zirkulierende Östrogen stammt einzig aus dem Fett- und Muskelgewebe.

Wie lange dauert eine antihormonelle Behandlung nach Brustoperation?

Dies hängt vom individuellen Risiko für einen Krankheitsrückfall und der Art der Medikation ab. In vielen Fällen wird eine Therapie über fünf Jahre empfohlen, da in diesem Zeitraum die Rückfallquote am höchsten ist. Mit Antiöstrogenen wie Tamoxifen sollte die Therapie nicht länger erfolgen, da die Gefahr von Nebenwirkungen bei einer Therapie über fünf Jahre hinaus den Nutzen überwiegt.

Neue Studien haben gezeigt, dass eine weitere antihormonelle Therapie nach Tamoxifen-Behandlung bei bestimmten Patientinnen nach den Wechseljahren zu einer zusätzlichen Risikoreduktion führt. Die Rückfallquote konnte durch eine Anschlussbehandlung mit Aromatasehemmern nach fünf Jahren Tamoxifen-Therapie gesenkt werden. Ob für eine Patientin diese erweiterte Behandlung sinnvoll ist, muss der Arzt im Einzelfall entscheiden.

Mit welchen Nebenwirkungen muss ich bei einer antihormonellen Therapie rechnen?

Eine antihormonelle Therapie zielt darauf ab, dass das Hormon Östrogen seine wachstumsstimulierende Wirkung auf den Tumor nicht mehr entfalten kann. Um dies zu erreichen, werden entweder die „Andockstellen“ der Tumorzelle für Östrogen blockiert (Tamoxifen) oder die Bildung von Östrogenen wird von vornherein unterbunden (Aromatasehemmer). Da das Östrogen aber auch andere Funktionen im Körper ausübt, können bei Entzug Nebenwirkungen auftreten, die klimakterischen Beschwerden ähneln (auch hier ist die Ursache ein Absinken des Östrogenspiegels). So werden zum Beispiel Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und Osteoporose beobachtet.

Muss ich regelmäßig zur Kontrolle z.B. meines Blutbilds oder anderer Werte zum Arzt gehen?

Nein, anders als bei der Chemotherapie ist dies im Rahmen einer Antihormontherapie nicht notwendig. Natürlich wird Sie Ihr Arzt weiterhin regelmäßig zu sich bestellen, um den Therapieerfolg und die Entwicklung Ihres Brustkrebses zu kontrollieren.

Was ist ein „reines Antiöstrogen“?

Ein reines Antiöstrogen ist ein Medikament zur Behandlung des Brustkrebses bei Frauen nach den Wechseljahren, wenn dieser bereits fortgeschritten ist, also in anderen Organen und Geweben Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat oder nicht mehr operiert werden kann. Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz des reinen Antiöstrogens ist, dass der Tumor unter dem Einfluss des Geschlechtshormons Östrogen wächst, also „hormonabhängig“ ist.

Typisch für das reine Antiöstrogen ist seine besondere Wirkweise: Es besetzt die Anlegestellen (Rezeptoren) des Tumors für Östrogen und senkt die Zahl der verfügbaren Rezeptoren. Der „Treibstoff“ Östrogen kann daher seine Wirkung nicht mehr entfalten; der Tumor kann nicht mehr bzw. nicht mehr so schnell wachsen.

Wie wird das reine Antiöstrogen verabreicht?

Das Medikament wird Ihnen einmal im Monat von Ihrem Arzt in Form von zwei Spritzen in den Gesäßmuskel verabreicht. Sie müssen daher nicht mehr einmal am Tag an die Einnahme einer Tablette denken.

Warum gibt es eine neue Dosierung des reinen Antiöstrogens?

Untersuchungen an einer Vielzahl von Brustkrebs-Patientinnen weltweit haben gezeigt, dass eine höhere Dosierung des reinen Antiöstrogens die Behandlungserfolge deutlich steigern kann, ohne dass die Verträglichkeit darunter leiden würde. Die zuständige europäische Medikamenten-Zulassungsbehörde (EMA) hat auf diese Verbesserungen reagiert und entschieden, dass dieses Medikament ab sofort nur noch der effektiveren Dosierung von zwei Spritzen verschrieben werden darf.

Kann es bei der Injektion des reinen Antiöstrogens zu Problemen kommen?

Die Verabreichung der Spritze wird im Allgemeinen gut vertragen. In manchen Fällen kann es zu Reaktionen an der Einstichstelle kommen. Die Reaktionen sind jedoch lediglich von leichter Natur und nur vorübergehend. Falls Sie blutverdünnende Arzneimittel nehmen können unter Umständen Blutungen an der Einstichstelle auftreten.

Wenn Sie stark blutgerinnungshemmende Medikamente erhalten (z.B. Marcumar), wird das reine Antiöstrogen wegen der Gefahr einer Blutung bei der Verabreichung (Spritze) in der Regel nicht eingesetzt.

Muss die Spritze mit dem reinen Antiöstrogen von einem Onkologen oder Gynäkologen verabreicht werden oder kann das auch mein Hausarzt?

Natürlich darf auch der Hausarzt das Medikament verabreichen. Die Entscheidung für eine Therapie mit dem neuen, reinen Antiöstrogen sollte aber von einem Onkologen oder Gynäkologen getroffen worden sein.

Ich plane eine mehrwöchige Reise ins Ausland! Was muss ich zur Therapie mit dem reinen Antiöstrogen beachten?

Hier ist es wichtig zwischen Ländern zu unterscheiden, in denen das reine Antiöstrogen nicht zugelassen ist und solchen, in denen es zugelassen ist.

In alle anderen Ländern müssen Sie das Medikament von zu Hause mitnehmen, sollten dabei jedoch unbedingt folgende Punkte beachten:

  • Die Packungen müssen gekühlt (ca 2-8°C transportiert und bis zur Verabreichung im Kühlschrank aufbewahrt werden. 
  • Sie sollten (u.a. für den Zoll) eine Erklärung Ihres behandelnden Arztes dabei haben – in Englisch! -, dass Sie dieses Medikament benötigen und es sich bei der mitgeführten Menge nur um Eigenbedarf handelt. 
  • Stellen Sie außerdem bitte schon im Rahmen der Reisevorbereitungen sicher, dass es an Ihrem Urlaubsort einen Arzt gibt, der Ihnen das Medikament spritzen kann. 

Wirkt sich das reine Antiöstrogen auf meine Knochendichte aus? Bekomme ich möglicherweise Osteoporose?

Bei Versuchen an Tieren erwies sich das Medikament als knochen-neutral: Selbst sehr große Mengen, die über der Ihnen verschriebenen Dosis liegen, hatten keinen Einfluss auf die Knochendichte.

Zur Langzeitwirkung auf die Knochen liegen jedoch momentan noch keine Daten vor. Daher sollten sich besonders Patientinnen mit bereits bekanntem Schwund der Knochendichte (Osteoporose) regelmäßig untersuchen lassen.

Hat die Behandlung mit dem reinen Antiöstrogen Nebenwirkungen?

Ja, aufgrund der Wirkweise des Medikaments hat Ihr Körper den Eindruck, dass kein Östrogen mehr vorhanden ist. Die Auswirkungen sind mit den Folgen des Östrogenmangels vergleichbar, der bei Frauen natürlicherweise auch während bzw. nach den Wechseljahren auftritt. Die Nebenwirkungen einer Therapie mit dem reinen Antiöstrogen sind daher überwiegend ähnlich den Beschwerden der Wechseljahre. In Untersuchungen mit vielen Patienten wurden als häufigste Nebenwirkungen Hitzewallungen, sowie Kopfschmerzen, Schwäche und Müdigkeit beobachtet. Bitte lesen Sie dazu die Gebrauchsinformation.

Jeder Organismus reagiert individuell auf ein Medikament. Möglicherweise haben Sie keine oder wesentlich schwächere Nebenwirkungen.

Beobachten Sie an sich ungewöhnliche Reaktionen, so teilen Sie diese bitte Ihrem Arzt mit.

Kann ich Phytoöstrogene / Soja gegen meine Hitzewallungen unter einer Antihormontherapie einsetzen?

Phytoöstrogene, wie die in Soja und Rotklee vorkommenden Isoflavone, werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten mit dem Ziel, Beschwerden wie Hitzewallungen, die durch einen Abfall des Östrogenspiegels auftreten, durch den östrogenartigen Effekt von Phytoöstrogenen zu behandeln. Studien, die zu dieser Therapiemöglichkeit bisher durchgeführt wurden, kommen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der therapeutische Einsatz von Phytoöstrogenen bei klimakterischen Beschwerden ist daher umstritten.

Da bei Studien mit Phytoöstrogenen zum Teil wachstumshemmende, zum Teil aber auch wachstumsfördernde Effekte auf das Brustgewebe beobachtet wurden, ist eine Therapie von Hitzewallungen mit Phytoöstrogenen insbesondere bei hormonsensiblen Brustkrebspatientinnen als riskant einzustufen. Von einer solchen Therapie ist daher nach heutigem Kenntnisstand eher abzuraten.

Darf ich bei Brustkrebs mit der Pille verhüten?

Ca. 60-70% aller Brusttumore sind hormonrezeptorpositiv, d.h. ihr Wachstum wird durch die Sexualhormone Östrogen und / oder Progesteron stimuliert. Da die Pille jedoch in der Regel Abkömmlinge dieser beiden Sexualhormone enthält, sollte während einer medikamentösen Therapie des Brustkrebses, auch wenn der Tumor mit einer Operation entfernt wurde, kein hormonelles Verhütungsmittel eingenommen werden. Es wird stattdessen empfohlen, nicht-hormonell zu verhüten, z. B. mit Kondomen.

Können Aromatasehemmer gegen Brustkrebs auch vor dem Klimakterium eingesetzt werden?

Aromatasehemmer sind nicht für einen Einsatz vor den Wechseljahren zugelassen! Diese Medikamentenklasse soll nur nach dem Klimakterium (Wechseljahre) bei hormonsensiblem Brustkrebs eingesetzt werden.

Die Bildung von Östrogenen im Körper erfolgt über ein körpereigenes Enzym, die Aromatase. Vor den Wechseljahren findet diese Bildung fast nur in den Eierstöcken statt. In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke ihre Hormonbildung ein und nach den Wechseljahren werden Östrogene in geringeren Mengen hauptsächlich in anderen Körpergeweben (z.B. Fett-, Muskel- und Brustgewebe) gebildet. Die Bildung von Östrogenen kann nach dem Klimakterium mit Aromatasehemmern nahezu vollständig unterdrückt werden und östrogensensibler Brustkrebs wird dadurch in seinem Wachstum gehemmt.

Würde man einen Aromatasehemmer als alleinige Therapie vor dem Klimakterium einsetzen, könnte man aufgrund der noch bestehenden Produktion von Östrogenen durch die Eierstöcke keinen ausreichendenden östrogensenkenden Effekt erzielen. Eine Unterdrückung der Östrogene mit Aromatasehemmern in der Prämenopause würde zu einer Gegenregulation der Eierstöcke führen, d.h. die Eierstöcke würden auf verminderte Östrogenspiegel reagieren, indem sie stärker arbeiten.

Daher müssten Aromatasehemmer vor der Menopause in einer Kombination mit einer Therapie eingesetzt werden, die gleichzeitig die Bildung von Östrogenen in den Eierstöcken unterdrückt. Für diese kombinierte Behandlung liegen zwar jetzt erste klinische Studienergebnisse vor, aber diese Behandlungsoption wird noch nicht von den Leitlinien empfohlen und ist auch nicht zur Therapie zugelassen.

Wie gehe ich mit Gelenkschmerzen unter antihormoneller Therapie um?

Bei einer antihormonellen Therapie mit Aromatasehemmern können Gelenkbeschwerden als Nebenwirkung auftreten. Diese Beschwerden hängen mit dem Wirkmechanismus dieser Medikamente zusammen: Aromatasehemmer senken die Östrogenspiegel und führen dadurch zu einer Hemmung des Tumorwachstums hormonsensiblen Brustkrebses.

Da Östrogene aber auch einen Einfluss auf Stoffwechselvorgänge in Gelenken und Knochen haben, kann es bei einem solchen Östrogenentzug zu Gelenkschmerzen kommen. Meistens bessern sich die Beschwerden mit zunehmender Behandlungsdauer oder können gut mit leichten Schmerzmitteln beherrscht werden. In einigen Fällen sind die Gelenkbeschwerden aber so ausgeprägt, dass die Behandlung nicht fortgesetzt werden kann. Sollten Sie zu den Betroffenen gehören, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt über die für Sie beste Lösung.

 AZP-6267/09
 AZIB-FAS-7777/10

Letzte Aktualisierung: 14.05.2010


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