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14.07.10

Längere krankheitsfreie Zeit bei guter Verträglichkeit Verbesserte Therapieoption beim fortgeschrittenen Brustkrebs

Wenn der Brustkrebs unter dem Einfluss des Geschlechtshormons Östrogen wächst, also hormonabhängig ist, können Antihormone das Wachstum des Tumors aufhalten. Vor kurzem haben aktuelle Forschungen gezeigt, dass die höhere Dosierung eines reinen Antiöstrogens die Behandlungserfolge deutlich steigern kann, ohne dass die Verträglichkeit darunter leidet.

Estradiol

Die zuständige europäische Medikamenten- Zulassungsbehörde (EMA) hat auf diese Verbesserung reagiert und entschieden, dass das Mittel ab März 2010 bei Frauen nach den Wechseljahren, wenn es bei einer Brustkrebserkrankung zu einem Fortschreiten der Erkrankung gekommen ist, nur noch in der wirksameren Dosierung von nicht nur einer, sondern zwei Spritzen zugelassen ist. 

Antihormonelle Therapie – Antiöstrogene Wirkung

Bei hormonabhängigem Brustkrebs besitzt der Tumor Andockstellen (so genannte „Rezeptoren“) für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Ein Weg, um das hormonbedingte Wachstum des Tumors zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen, ist es, die im Körper zirkulierende Menge an Östrogen zu senken. Auf diese Weise wirken so genannte Aromatasehemmer.

Eine weitere Möglichkeit ist es, die Andockstellen zu besetzen. Dies entspricht der Wirkweise der Antiöstrogene. Das reine Antiöstrogen senkt nicht den Hormonspiegel im Körper, sondern wirkt über die Rezeptoren, die es für das Hormon blockiert und durch die Blockade sogar zerstören kann. Der „Treibstoff“ Östrogen kann daher seine Wirkung nicht mehr entfalten; der Tumor kann nicht mehr mit Hilfe des Hormons wachsen. Gleichzeitig bleiben aber die positiven Wirkungen des Östrogens im Körper erhalten – es treten weniger Hitzewallungen und Gelenkbeschwerden als bei anderen Therapien auf. Diese besondere Wirkweise des reinen Antiöstrogens ist laut Untersuchungen auch dafür verantwortlich, dass es eine besonders lange Wirkdauer hervorrufen kann und es nicht zu Resistenzen – einem Nichtansprechen auf die Behandlung – gegenüber nachfolgenden Antihormontherapien kommt.

Das reine Antiöstrogen liegt in einer Art „Depot“ vor, das heißt, der Wirkstoff wird in kleinen Portionen in den Körper abgegeben. Daher wird das Medikament nur einmal im Monat vom Arzt in den Gesäßmuskel verabreicht. Im Zeitraum bis zur nächsten Gabe wird aus dem Depot kontinuierlich Wirkstoff in den Körper entlassen, sodass er ständig in der benötigten Menge vorhanden ist.

Bewährtes noch verbessern

Das reine Antiöstrogen ist bereits seit 2004 in Form einer geringeren Dosierung zugelassen und hat sich seitdem im praktischen Alltag bewährt. Um die Behandlung noch weiter zu optimieren, laufen die Forschungen an einem Medikament oftmals weiter. Dabei hat sich gezeigt, dass durch eine höhere Wirkstoffdosis der Therapieerfolg noch weiter verbessert werden kann. Beim größten Brustkrebskongress der Welt – in San Antonio im Dezember 2009 – wurde eine Studie vorgestellt, in welcher die geringere mit der höheren Dosis verglichen wurde. Durch die höhere Dosierung konnte die Zeit, in welcher der Brustkrebs nicht weiter fortschritt, von 5,5 Monaten auf 6,5 Monate verlängert werden. Dies entsprach einer Risikoverringerung um 20 %. Nach einem Jahr waren 9 % mehr Patientinnen in der höheren Dosis- Gruppe ohne Fortschreiten ihrer Erkrankung [1]. Der Autor der Studie, Prof. Angelo Di Leo, Padua, Italien, verwies darauf, dass dies für die fortgeschrittene Erkrankung ein gutes Ergebnis ist – schließlich betreffe dies fast jede zehnte Patientin und stelle zudem für die Betroffenen einen enormen Gewinn an Lebensqualität dar.

Gute Verträglichkeit bleibt Erhalten

Denn ein weiteres wesentliches Ergebnis dieser großen Untersuchung mit über 730 Patientinnen ist, dass die Nebenwirkungen der Behandlung unter der höheren Dosierung nicht etwa zunahmen, sondern die Therapie mit nahezu der gleichen Prozentzahl an unerwünschten Wirkungen wie in der niedriger dosierten Gruppe verbunden war.

Expertenempfehlung

Da die Antihormontherapie nicht nur gezielt wirksam ist, sondern – anders als die Chemotherapie – in der Regel eine gut verträgliche, wenig beeinträchtigende Behandlung darstellt, sollte bei Frauen mit einem hormonempfindlichen Brustkrebs zunächst die Möglichkeiten der Antihormontherapie ausgeschöpft werden. So hat der Brustkrebs-Expertenrat der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) in ihren aktuellen Empfehlungen die Antihormontherapie als Mittel der Wahl bei Frauen mit einem fortgeschrittenen, hormonabhängigem Brustkrebs empfohlen. In diesem Zusammenhang wird ebenfalls ausdrücklich das reine Antiöstrogen genannt.

[1] Di Leo A et al., San Antonio Breast Cancer Symposium 2009. Oral Session 2, 10th December 2009. Abstract 25

Aus „Horizonte – die Zeitung für Krebspatienten und ihre Angehörigen.

 

AZIB-FAS-7998/10 




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