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Unterstützende Therapie - Supportivtherapie

Der Begriff "Unterstützende Therapie" (Supportivtherapie) umschreibt zum einen begleitende Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von therapiebedingten Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung.  Zum anderen fasst man unter diesen Begriff auch die Therapie tumorbedingter Beschwerden, wie die Linderung von Schmerzen oder stärkende Maßnahmen durch Gabe von Blutprodukten.

Bei der Behandlung von Brustkrebs stehen zunächst die Operation, Chemotherapie und/oder Strahlentherapie im Vordergrund. Stellt sich heraus, dass der Tumor hormonabhängig ist, schließt sich eine antihormonelle Therapie an.

Alle diese Verfahren können natürlich außer den erwünschten therapeutischen Effekten auch unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Wir möchten Ihnen einen Überblick darüber geben, welches die häufigsten Nebenwirkungen sind und welche Möglichkeiten es gibt, ihnen vorzubeugen oder sie zu lindern.

Mit Maßnahmen zur Linderung möglicher Nebenwirkungen einer antihormonellen Therapie befasst sich ein weiteres Kapitel.

Supportivmaßnahmen bei Chemotherapie

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Chemotherapie greift nicht nur Krebszellen an

Die Chemotherapie greift besonders schnell wachsende Zellen an. Das sind neben den Krebszellen auch andere schnell wachsende gesunde Zellen, wie z. B. Zellen der Schleimhäute im Mund und Magen-Darm-Trakt, Haarwurzeln und blutbildende Zellen. Aufgrund dieser Wirkungen ergeben sich auch die Nebenwirkungen, die abhängig von der Art der Chemotherapie und dem individuellen Zustand des Betroffenen in unterschiedlicher Ausprägung auftreten können - aber nicht unbedingt müssen.

Die meisten Nebenwirkungen treten unterschiedlich häufig auf und sind abhängig von der Art der Chemotherapie. Bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen zu erklären, mit welchen spezifischen Nebenwirkungen Sie bei Ihrem individuellen Chemotherapieregime rechnen müssen, und wie Sie am besten damit umgehen können. In vielen Fällen kann durch die prophylaktische Einnahme von Medikamenten die Schwere der Nebenwirkungen verringert werden.

Chemotherapie kann auf den Magen schlagen

Übelkeit und Erbrechen treten meistens während oder auch erst nach der  Behandlung auf. Durch die Gabe bestimmter Medikamente, so genannter Antiemetika,  können diese Symptome heute nahezu vollständig unterdrückt werden.

Was Sie selbst tun können:

  • Leichtverdauliche Schonkost entlastet Ihren Magen-Darm-Trakt.
  • Meiden Sie fett- und zuckerhaltige Speisen.
  • Tragen sie weite, bequeme Kleidung.
  • Atmen Sie bewusst langsam ein und aus, wenn Ihnen übel ist.
  • Entspannungsübungen können helfen.
  • Ingwer, als Tee zubereitet, ist als natürliches Antiemetikum wirksam.
  • Fragen Sie  nach der Möglichkeit einer Akupunkturbehandlung oder anderen unterstützenden Naturheilverfahren.

Infektionsgefahr durch Blutbildveränderungen

Blutbildveränderungen treten erst mit einer gewissen Verzögerung nach der Chemotherapie ein. Betroffen sind vor allem die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten).

Bei einem Mangel an Blutplättchen kann es zu spontanen Blutungen kommen, z. B. zu Blutungen im Bereich der Haut oder Schleimhaut, Nasenbluten oder blutigem Urin. In schweren Fällen können die fehlenden Blutplättchen durch eine Gabe von Thrombozyten-Konzentrat mittels Transfusion ersetzt werden.
Wenn die Leukozyten stark absinken (Leukopenie), ist auch die Abwehrkraft geschwächt. Es kann leichter zu Infektionen kommen. Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt beraten, welche bewährten Verhaltenregeln hier sinnvoll sind.

Anzeichen einer Infektion können sein:

  • Leicht erhöhte Temperatur oder Fieber
  • Schüttelfrost
  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • Durchfall
  • Husten, Atemnot
  • Schluckbeschwerden, Mandelentzündung

Sollten die weißen Blutkörperchen zu stark absinken, unterstützt ein gentechnisch hergestelltes Medikament (G-CSF) die Neubildung dieser Zellen im Knochenmark. G-CSF ist ein körpereigener Wachstumsfaktor, der zum Beispiel auch bei Entzündungen vom Körper ausgeschüttet wird und die Bildung weißer Blutkörperchen anregt. Er ist für die körpereigene Abwehr essentiell.

Ein weiteres Problem der Chemotherapie stellt das mögliche Absinken der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) dar: Es entsteht eine mehr oder minder stark ausgeprägte Blutarmut (Anämie). Die Patienten sind blass, fühlen sich abgeschlagen, erschöpft und müde. Der Mangel an Erythrozyten gilt als eine mögliche Ursache von Fatigue, die anders als eine normale Müdigkeit oder Erschöpfung, etwa am Abend oder nach körperlichen Anstrengungen, nicht durch ausreichenden Schlaf überwunden werden kann. In schweren Fällen sind die Betroffenen kaum noch in der Lage ihren Alltag zu bewältigen.

Hier kann eine Behandlung mit Erythropoetin (EPO) hilfreich sein, es regt die Neubildung roter Blutkörperchen an. Bei schweren Anämien ist auch die Gabe von Erythrozyten-Konzentrat durch eine Transfusion möglich.

Pflege des Zahnfleisches

Da Zytostatika auch die Zellen der Mundschleimhaut und damit das Zahnfleisch angreifen können, entzündet dieses sich leichter. Es haben sich folgende Maßnahmen bewährt:

  • Im Vordergrund steht eine sorgfältige Mundhygiene mit einer weichen Zahnbürste.
  • Milde Mundspülungen mit  Kamillen- oder Salbeiextrakten wirken entzündungshemmend.
  • Meiden Sie Zitrusfrüchte, saure und scharfe Speisen.
    Verzichten Sie auf Nikotin und Koffein.
  • Essen Sie nicht zu heiß und kauen Sie langsam.

Haare wachsen wieder nach

Haarausfall ist eher ein kosmetisches Problem, daher aber auch meist sehr belastend für die Betroffene. Wie stark ausgeprägt der Haarverlust ist, ist abhängig von der Art der Chemotherapie. Lassen Sie sich daher bitte vorab beraten, ob unter Ihrer Therapie mit Haarverlust zu rechnen ist und welche Maßnahmen vorab sinnvoll sein könnten. Evtl. bietet man Ihnen die Anwendung einer Kältekappe während der Behandlung an. Der Haarverlust ist wieder reversibel, das heißt nach Beendigung der Therapie wachsen die Haare - meist sogar etwas dichter und fester - wieder nach.

Weitere Tipps für den Umgang mit drohendem Haarverlust:

  • Schonen Sie Ihr Haar vor und während der Therapie, verwenden Sie milde Shampoos und weiche Bürsten.
  • Überlegen Sie sich im Vorfeld, ob Sie Haarersatz oder Tücher tragen möchten und wählen Sie ggf. rechtzeitig eine Perücke aus

Chemotherapie kann Funktion der Eierstöcke schädigen

Bei jüngeren Frauen führt die Chemotherapie häufig zum Ausbleiben der Regelblutung, da sie die heranreifenden Follikel in den Eierstöcken schädigt. Auch nach Beendigung der Chemotherapie findet dann meist keine Menstruation mehr statt.

Supportivmaßnahmen bei Strahlentherapie

Unter einer Strahlentherapie kann es vor allem zu Hautreizungen kommen, vermeiden Sie daher die Haut im bestrahlten Feld weiter zu reizen und verzichten Sie auf Seifen, Parfums und andere Kosmetika in diesem Bereich. Fragen Sie auch die behandelnden Ärzte und das Pflegepersonal nach konkreten Tipps zur Hautpflege bzw. zur Schonung der Haut.

Supportivmaßnahmen eines Lymphödems

Sollte eine ausgedehnte  Operation und Bestrahlung der Lymphknoten in der Achselhöhle notwendig sein, kann es zur Schädigung des Lymphgefäßsystems kommen. Auf der betroffenen Seite entsteht dann ein so genanntes Lymphödem: Der Arm schwillt stark an, da das Lymphgefäßsystem nicht mehr in der Lage ist, Flüssigkeit aus dem Gewebe zurück ins Blut zu transportieren.

Vorbeugend sollte man darauf achten,

  • den betroffenen Arm nicht zu stark zu belasten
  • Blutentnahmen, Transfusionen, Blutdruckmessungen nur auf der gesunden Seite vornehmen zu lassen
  • keine einschneidende Kleidung und schwere Schultertaschen zu tragen
  • Überanstrengungen des Armes auf der erkrankten Seite zu vermeiden
  • Insektenstiche, Sonnenbrand, Verbrennungen und Verletzungen wie Schnittwunden zu vermeiden

Wenn bereits ein Lymphödem entstanden ist, können wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen werden, damit sich der Zustand nicht verschlechtert: Die manuelle Lymphdrainage, eine Kompressionstherapie mit Bandagen oder maßgefertigten Kompressionsstrümpfen und eine spezielle entstauende Krankengymnastik sind die Basis der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE). Lassen Sie sich bitte hierzu von Ihrem Arzt beraten. Die Behandlung kann ambulant oder in schweren Fällen auch in spezialisierten Fachkliniken durchgeführt werden.

Schmerzen müssen nicht sein

Dank moderner Schmerzmedikamente muss heute kein Tumorpatient mehr unter Schmerzen leiden. Vorraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist allerdings ein regelmäßiger Austausch zwischen Patient und Arzt über die Schmerzen und den Therapieerfolg bzw. -misserfolg. Scheuen Sie sich also nicht, Ihren behandelnden Arzt auf Ihre Beschwerden aufmerksam zu machen. Denn Schmerzursache und Schmerzwahrnehmung sind bei jedem Menschen anders. Die Schmerzen können sich im Verlauf der Erkrankung verändern. Deshalb muss die Schmerztherapie auch den sehr individuell wahrgenommen Schmerzen des Patienten angepasst werden.

Stufenschema der WHO definiert die passende Schmerztherapie

Abhängig vom Ausmaß und der Qualität der Schmerzen steht eine medikamentöse Therapie nach dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO-Stufenschema) im Vordergrund. Je nach Stärke der Schmerzen werden unterschiedlich starke Schmerzmittel eingesetzt. Als Darreichungsformen stehen Tabletten, Tropfen, Zäpfchen, Pflaster, Spritzen oder auch Infusionspumpen zur Verfügung.

Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen können hilfreich sein

Zusätzlich können weitere Verfahren zur Anwendung kommen. Z. B. werden Knochenmetastasen beim fortgeschrittenen Brustkrebs bestrahlt. Auch eine Operation oder Chemotherapie mit dem Ziel, den schmerzhaften Tumor zu verkleinern, kommen in Frage. Physikalische Maßnahmen, Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und Akupunktur, sowie unterschiedliche Schmerzbewältigungsstrategien unter Anleitung eines erfahrenen Schmerztherapeuten können eine Schmerztherapie sinnvoll ergänzen und unterstützen.

(pp)

Letzte Aktualisierung: 26.04.2011


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